
Tagwach! Während andere Jahrgänger sich erst gegen Mittag treffen und alles etwas gemütlicher nehmen, ist die Schulreise der 82er keine Hobbyveranstaltung. Nur der frühe Vogel fängt den Wurm, der Hopfen blüht nach Sonnenaufgang am besten. Acht Uhr, Freihof, dem Aufgebot wurde Folge geleistet.
Vom OK gabs erstmal ein Überlebenssäckli. Mars, Pflästerli, Bierdosenschutz. Was man auf Auslandsmission so braucht. Plus Nastüechli, falls Tränen fliessen. Niemand konnte Ahnen, dass später tatsächlich Tränen flossen, weil etwas anderes nicht fliessen wollte. Weiteres Give-Away: die Reisezeitung mit allerlei spannender Lektüre, um die lange Fahrt kurzweilig zu gestalten.



Birchermüesli, Speckzopf, Bier
Wer viel leistet, muss gut genährt sein. Birchermüesli und Speckzopf legten den Boden für die Stärkung. Nicht umsonst ist das Zmorgebier die wichtigste Mahlzeit des Tages. Kurz nach der Abfahrt zischte es das erste Mal im Reisebus, beim Badikreisel war angestossen und die ersten verlangten nach einer Rauchpause. Doch das Zeitmanagement von Fahrer Hans-Peter lies keine Trödelei zu – um 10.30 fährt das Schiff auf dem Schluchsee. Also gings flott durch die malerischen Dörfchen zwischen Villmergen und Waldshut, bis sich an der Grenze zum ersten Mal eine Gelegenheit bot, die leeren Nikotinspeicher wieder etwas aufzuladen. Aber obacht! Raser bedrohen auch an verkehrsberuhigten Stellen nach der Grenze die Gesundheit wartender Reisender. Zum Glück wachte aufmerksames Zollpersonal und eilte flink zum Parkfeld, um gerade noch rechtzeitig zu warnen. Deutsche Effizienz.

Bingo, Mario, Toast
Einen kleinen Preis im Wert von maximal fünf Franken sollten alle Anwesende mitbringen. Eingepackt in Zeitungspapier. Wozu, wurde während der Fahrt erklärt. Wir spielen Bingo! Nümmerli um Nümmerli wurde gesch… gezogen, Freudengegrunze und Enttäuschungsgestöhne wechselten sich ab. Die von vielen erwartete Zahl 82 wollte einfach nie kommen. Aber Mario kam recht bald zum Zug: BINGO!
Eine Reihe galt es zu füllen, er hat erfüllt. Und durfte sich als Erster im Geschenkekörbli etwas aussuchen. Greift er zum mysteriösen Päckli, in dem von präsidialer Seite ein Pack Toast vermutet wurde? Nein, ihm Stand der Sinn nach etwas Langem. Wernli-Guetsli! So startet man gut in den Tag.
Runde zwei, zwei Reihen wollten gefüllt werden. Hier zeigte sich, dass Erfahrung und Technik auch beim Bingo zum Erfolg führen. Wiederum riefs aus der Reihe bei der hinteren Tür Bingo. Wiederum ging der Preis an den Birkenweg in Villmergen. Erste Zweifel an der Rechtmässigkeit der Nummernziehung wurden laut. Und gibts mal eine Rauchpause? Alles war rechtens. Sogar als später die ganze Karte gefüllt werden sollte, war der Gewinner ein Altbekannter. Schade, gibts am Schluchsee kein Casino, heute wären die Sterne gut gestanden dafür. Nüssli, Feiglinge und Milkaschoggi liessen strahlen.


Schiff(en) auf dem Schluchsee
Rechtzeitig eine halbe Stunde vor Abfahrt des Schiffs erreichte die Reisegruppe den Schluchsee. Genug Zeit also, um zu rauchen. Und vielleicht noch ein Bier zu trinken. Oder zwei. Der kurze Fussmarsch vom Parkplatz zum See aktivierte die Blasen, die Toilette beim Strandbad Schluchsee wurde rege besucht. Dass auf dem Schiff auch eine zur Verfügung stehen würde, stimmte die Reisegesellschaft froh. Und rauchen konnte man auch.
Filterkaffee und Gipfeli wurden zur Stärkung gereicht, während 70 Minuten zog die Küste des Schluchsees draussen vorbei. Und die ersten wagten sich ans Rothaus-Bier, die Meinungen dazu waren geteilt. Dazu gabs auch Wein und für zwei Schlitzohren einen Privat-Feigling. Oder zwei.






Zeitmissmanagement, Bierkrise
Nach 70 Minuten wurde angelegt, die 82er hatten wieder festen Boden unter den Füssen und somit keine Ausrede mehr für den schwankenden Gang. Den nachfolgenden Schiffpassagieren wurde beschieden, es habe kein Bier mehr auf dem Schiff, was diese wiederum kalt liess. Die erfahrenen Wandergruppen hatten ihren Stoff selbst dabei: Champions League!
Bei der Weiterfahrt zur Rothaus-Brauerei wurde klar, dass irgendwas im Fahrplan nicht passt. Die 82er hätten die Führung starten sollen, als sie gerade von Bord des Schiffs gingen. Kurzerhand wurde das Programm umgestellt. Eins rauchen, sechs deutsche Nachzügler integrieren, die Tour starten, danach folgt das Mittagessen. Straffer Zeitplan, das verlangt nach einer zackigen Tour. Auftritt Marianne! Die traditionell gewandete Führerin lotste die fidele Gruppe geschwind durch die Harassen voller Leergut in Richtung Videoraum, um die Tour informativ zu starten. Leider war dieser grad belegt. Also gings erstmal zu den Braukesseln. Wo Wasser, Gerste, Malz und präsidiale Posen den Raum erfüllten. Rothaus ist ab 2030 klimapositiv. Musste mal erwähnt werden.




Weiter gings durch die Abfüllanlage und endlich zum Film. Klares Wasser aus sieben eigenen Quellen, reiche Geschichte, grosses Bier. Und Klimapositivität ab 2030. Biergit Kraft hat echt alles im Griff. Nach dem Film gings endlich in den Braukeller, wo frisch gezapftes Bier die durstigen Kehlen der 82er benetzen sollte. Sollte, weil in diesem Raum Hopfen und Malz wohl nicht verloren waren, zumindest aber nicht aus dem Hahn fliessen wollte. Ein paar wenige Glückliche kamen in den Genuss eines Probiererlis. Die grosse Masse sass aber auf dem Trockenen. Gut, hatten wir Nastüechli im Rucksack. Und rauchen konnte man auch nicht. Shame! Marianne wär aber nicht Marianne, wenn sie keine Entschädigung in der Rückhand gehabt hätte: der Rückweg ging – ausnahmsweise – durch den historischen Mönchsgang. Eine spirituelle Erfahrung, die für alle Missgeschicke entschädigt hat. Mystisch. Darauf erstmal eins rauchen.



Boxenstopp, Heimfahrt, Rauchpause
Die Mägen knurrten laut, einzig vom Krächzen aus den ausgetrockneten Kehlen übertönt. Zeit fürs Büffet. Die zwei frei verfügbaren Bierhähne liefen ohne Unterlass, der eigens für die 82er abgestellte Kellner kam ins Schwitzen, um die Wünsche nach weiteren Biersorten zu erfüllen. Gewinner des Tastings – das Spezialbier. Tipp an die Rothäusler: Verkauft das als Standard, mit dem Gewinn seid ihr schon 2028 klimapositiv. Volle Mägen machen müde, so gönnte sich die eine oder andere, also vor allem eine, ein kleines Schläfchen. Was in anderen den Starfotografen weckte.
Nach dem Essen gings noch etwas in die Gartenbeiz, wo in der prallen Sonne gebraten wurde, was noch nicht ganz durch war. Fahrer HP gönnte sich auf einer Liege das wohlverdiente Päuschen und die Zapfhähne der Gartenwirtschaft liefen heiss. Auch der Souvenirshop bot interessante Ware feil. Heisseste Mitbringsel aus dem Biershop: Würste und Biergit-Socken. Jöö! Ausserdem weckte der Spielplatz das Interesse einiger Jahrgänger.




Bald wars Zeit, aufzubrechen. HP hatte jedoch keine Eile und liess die durstigen 82er noch austrinken. Sicher war er auch nervös, weil er noch Gruppenfotos schiessen musste. Die Locationfrage vor dem Tor oder vor dem Kupferkessel wurde durch ein pragmatisches Vorstandsvotum entschieden: beides!
Gits e Rauchpause? Was ist Toast?
Zeit für ein heimisches Bier im Bus. Bingo spielt sich so leichter. Es galt, noch die restlichen Preise abzuräumen. Mario spitzte den Kugelschreiber und hoffte auf eine ähnliche Glückssträhne wie am Morgen. Diesmal war das Glück gerechter verteilt und Alain war es, der schliesslich den ominösen Toast auswählte. Der Preis erwies sich als Box mit Strassenkreide. Man stelle sich vor, jemand hätte diese Preziose bereits am Morgen gewonnen. Schmähgraffitis über Wohlen wären im ganzen Schwarzwald zu lesen gewesen.
HP verzichtete beim ersten Kreisel darauf, Schwung durch mehrmaliges Umfahren zu holen. War auch nicht nötig, denn er plante eine gemütliche Kaffeefahrt durch Dörfchen, jede Töffkurve wurde mitgenommen. Der perfekte Zeitpunkt für Mario, seine lang erwartete Rede zu halten. Viel Applaus war aus dem Car zu hören, während allen gedankt wurde, die diesen tollen Tag ermöglicht haben. Der kleine Stau am Zoll in Waldshut war schnell überstanden. Rauchpause? Dem Wunsch wurde entsprochen. Und Bier weniger gut gesinnte 82er behoben ihre gesundheitlich bedingte Unterhopfung mit anderen Spassgetränken. Sprachbarrieren tauchten auf, als müde Vorstände nun geneigt wären, ihr Fittla dem Liintüech zu zeigo. Die Antwort war nein, es zeigte sich aber, dass auf der nächsten Reise dringendst mehr zHansrüedi gehört werden muss als Oasis oder Scooter.
Nicht unerwähnt bleiben darf der letzte Bingopreis. Brunni Grillo war der Glückliche, der die ungekühlte Flasche Ovodrink in Empfang nehmen durfte. Während andere mit neumodischem Kram wie Ka-Ex allfällige Unpässlichkeiten bekämpfen müssen, darf der glückliche Dottiker nun ausprobieren, wie das Befinden nach vielen Hopfengetränken mit Malz mit einer Flasche Malzgetränk ohne Hopfen sein wird. Feedbacks gerne an die Redaktion oder die nächste Postfiliale.



Grande Finale
Freihof oder Turnfest, das war nun die Frage. Der Fussweg war weit, somit wurde beim Freihof gehalten. Für zwei Rauchpausen und um Vorräte auszuladen. Und eine Rauchpause gabs obendrein. Weiter gings durch Villmergen, sogar mit Hupkonzert, um andere Jahrgänger beim Essen zu stören. Leider ware sie noch nicht im Lokal. Aber der Wille zählt. Kurz darauf fand die Reise ihr Ende beim Vereinsmagazin. HP verabschiedete sich von der lustigen Truppe, die wiederum den langen Fussmarsch auf sich nahm, um den ereignisreichen Tag würdig zu beschliessen.

82er, die aus Gründen nicht an der Reise teilnehmen konnten, stiessen am Fest zu der fröhlichen Truppe, und es wurde bis tief in die Nacht angestossen. Die Grenzen der Jahrgänge verschwanden, man mischte munter, selbst Getränke. Der Abendwind veranlasste einige, das Bier gegen durchsichtige Kaffeegetränke einzutauschen und als immer mehr französische Abgänge folgten, wars Zeit, den Tag zu beschliessen. Mit Berliner Luft, damit wären die Zähne auch grad geputzt.
